Bestandsstärkung der Wechselkröte im nördlichen Landkreis Greiz

Die Wechselkröte war in der Region einst häufig, wurde aber seit 1955 nicht mehr beobachtet. Sie galt daher als lokal ausgestorben. Doch der überraschenden Todfund eines Alttieres Mitte 2010 in Groitschen (Gemeinde Brahmenau) änderte das Bild. Auch 2011 und im Frühjahr 2012 gelangen in diesem Raum insgesamt knapp 50 Nachweise. Daraufhin  wurde vom NABU Gera-Greiz e.V. ein ENL-Projektes („Entwicklung von Natur und Landschaft“ ) initiiert. Das Projekt startete am 1. Mai 2012 und wurde zum 15. November 2013 abgeschlossen. Vom Projektträger wurden in diesem Zeitraum ca. 1500 Arbeitsstunden geleistet und 3500 km gefahren.

 

Insgesamt wurden 14 neue Laichgewässer angelegt, Landlebensräume optimiert sowie ein Teich abgefischt. Essentiell war die Verfügbarkeit geeigneter Projektflächen (ca. 6 ha, verteilt auf 4 Gemarkungen). Diese wurden langfristig gesichert, 2 geeignete Flurstücke konnten erworben werden.

Bereits am 10.04.2013 waren 6 Gewässer besetzt und wurden ab Anfang Mai als Laichgewässer angenommen. Ende Mai konnten zahlreiche Wechselkrötenlarven nachgewiesen werden. Durch das Hochwasser Anfang Juni wurden 2 Laichgewässer vollständig überflutet und ein Großteil der Larven verdriftet. Ab dem 05.06.2013 wurden erneut rufende Männchen verhört und kurz darauf Laichschnüre gesichtet. Der Umfang der Reproduktion übertraf die Erwartungen erheblich. In den Projektgewässern reproduzierten auch Erd- und Knoblauchkröte, Laub- und Grasfrosch, Berg-, Kamm- und Teichmolch.

Zeitgleich erfolgte eine intensive Öffentlichkeitsarbeit: Stammtischgespräche, mehrere Artikel in Lokalpresse, Informationsveranstaltung, Einbeziehung der Grundschule, zahlreiche Gespräche über den Gartenzaun, Rundfunkbeitrag.

 

Ansässige Landwirtschaftsbetriebe einzubeziehen, gelang nicht (fast durchweg Ablehnung). Die negativen Folgen der sog. Komplexmelioration, die zu einer enormen Ausräumung der hiesigen Feldflur führte, prägen das Landschaftsbild bis heute, mit allen negativen Konsequenzen für Flora und Fauna. Ohne die Existenz des Deponiegeländes des ehemaligen Betonwerkes Pölzig mit seiner enormen, in der angrenzenden Landschaft ansonsten fehlenden, kleinräumigen Strukturvielfalt (Schutthaufen, Kleingewässer) hätte sich dort keine Quellpopulation etablieren können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Refugialräume zu erhalten bzw. neu zu schaffen, um die vernichtete Strukturvielfalt zumindest trittsteinartig zu rekonstruieren.

 

NABU Gera-Greiz e.V.

c/o Sebastian Schopplich

Johannes-R.-Becher-Straße 66

07546 Gera

e-mail: sebastian.schopplich@nabu-thueringen.de

 

 

Fotos: Dr. Ch. Schopplich,  J. Schopplich, F. Serfling

Wechselkröte an einem Gartenzaun in der Ortslage Hirschfeld
Neuanlage von Gewässern in Hirschfeld: Kiesauskleidung und Durchwurzelungsschutz, sowie hinreichende Wasserführung waren entscheidend für den Reproduktionserfolg der Wechselkröte.
Neue Kleingewässer am NO-Ufer des Speichers Brahmenau am 28.04.2013. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gewässer bereits mit Wechselkröten besetzt.
Gewässer ohne Kiesauskleidung ebenfalls am NO-Ufer des Speichers Brahmenau. Solche nicht für die Wechselkröte optimierten Tümpel wurden nur von Erdkröte und Grasfrosch als Laichgewässer genutzt.
Das bedeutende Amphibienvorkommen im ehemaligen Betonwerkes Pölzig, wird seit 2013 mit Zustimmung des Eigentümers betreut: Entfernung des Japanischen Staudenknöterichs, weitere Entbuschung, Verfüllung von Schächten. Hier reproduziert auch die Kreuzkröte.
Ein Beispiel der Abbergung von Amphibien am 07.06.2013 aus einem nicht gesicherten Schacht – der Projektleiter steht (!) im Schacht.
Neuer Tümpel in der Rothe-Bach-Aue am 09.03.2013
und am 02.06.2013