Schutz von Reptilien in Waldgebieten

 

Reptilien sind Sonnenanbeter, sie benötigen lichte Landschaften für ihre Existenz. Durch den Anbau altersgleicher Nadelforste ist in weiten Teilen unserer Zivilisationslandschaft ihr Lebenraum eingeschränkt worden. Teilweise kompensiert wurde dies durch großflächige Kahlschläge. Durch die Umstellung der Forstwirtschaft auf den naturnahen Waldbau entfällt diese Kompensation. Wir halten diese Umstellung prinzipiell für richtig, jedoch muß mit anderen Methoden unseren Reptilien auch im Wald Lebensraum geboten werden. In einem – von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten – Projekt, wurde von 2002 bis 2007 im Ilm-Kreis beispielhaft untersucht, mit welchen einfachen waldbaulichen Maßnahmen dies erreicht werden kann. Dabei diente insbesondere die stark gefährdete Kreuzotter als Leitart.


Für die Entwicklung lichter Waldstrukturen in den unterschiedlichen Waldbiotopen hat sich folgendes Vorgehen bewährt. Ursprünglich unbewaldete Lebensräume im Wald wie Fels-, Blockschutthalden, Moore, sonnenexponierte Felsbereiche sollten freigestellt werden. Auf den Säumen dieser Biotope können Bestände mit lückigem Kronenschluss entwickelt werden bei einer mittleren Überschirmung von 30%. Auf 8 – 10 m breiten Rändern sonnenexponierter Waldwege wird ein Überschirmungsgrad von maximal 30% empfohlen. Aufgelassene Steinbrüche und Sandgruben können in das Wegrand-Konzept einbezogen werden. Weiterhin hat sich die Anlegung 15m breiter Jagdschneisen in sonnenexponierten Lagen bewährt. Rückeschneisen in südlicher Ausrichtung können kleinflächig auf 10m Breite erweitert und freigestellt werden. Ausbreitungslinien mit Sonneninseln können mit 15 -50m breiten Saumschlägen unter Schirm bei lückigem Kronenschluss (variabler Überschirmungsgrad zwischen 15 und 50%) entwickelt werden.

Für eine Einbeziehung der Entwicklung lichter Waldlebensräume in den naturnahen Waldbau der Thüringer Forstverwaltung wird folgendes Konzept empfohlen: Neben der Freistellung ursprünglich waldfreier Biotope im Wald sollte ein Schwerpunkt der Umsetzung in natürlicherweise lichteren Wäldern auf nährstoffarmen und trockenen, wechselfeuchten und nährstoffarmen sowie mineralischen Nassstandorten liegen. Zu diesen extremen Standorten zählen auch die Bereiche in Kammnähe und an den Hangschultern. Diese Schwerpunktgebiete werden durch Wanderkorridore und Trittsteinbiotope auf nährstoffreicheren und feuchteren Standorten verbunden.

 

Literatur:

Conrady, D. (2004): Feuersalamander und Reptilien als Leitarten für die forstliche Bewirtschaftung ausgesuchter Waldlebensräume im Thüringer Mittelgebirge.- In: Verwaltung Biosphärenreservat Vessertal. (Hrsg.): Naturschutz im Naturpark Thüringer Wald - Tagungsband 2003: 48-68.

Conrady, D. & Rees, U. (2007): Entwicklung lichter Waldlebensräume am Beispiel der Leitart Kreuzotter (Vipera berus L.).- Naturschutzreport 24: 66-87.